Apr. 2026 | Communications Medicine

Übersichtsarbeit beschreibt aktuellen Forschungsstand zu Krankheitsmechanismen von Long COVID

Ein internationales Team aus Medizin und Wissenschaft hat den aktuellen Stand der weltweiten Forschung zu den biologischen Ursachen und Krankheitsmechanismen von Long COVID zusammengefasst. Dafür ordneten die Autorinnen und Autoren die bisherigen Erkenntnisse zum Krankheitsbild ein, um die biologischen Vorgänge im Körper besser zu erklären. 

Obwohl die Wissenschaft bereits wichtige Erkenntnisse gesammelt hat, sind die genauen Abläufe im Körper bei Long COVID laut den Autorinnen und Autoren noch nicht vollständig verstanden. Die Auswertung zeigte jedoch, dass bei Personen mit Long COVID mehrere körperliche Vorgänge auftreten können, oft auch gleichzeitig. Dazu gehören dauerhafte Entzündungsreaktionen und ein Abwehrsystem, das sich gegen den eigenen Körper richtet. Auch verbleibende Bestandteile des Coronavirus SARS-CoV-2 sowie winzige Blutgerinnsel können eine Rolle spielen. Diese Gerinnsel stören den Blutfluss, wodurch die Organe mitunter nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt werden. Zudem gibt es Hinweise auf geschädigte Zellkraftwerke (sogenannte Mitochondrien) und auf eine Fehlfunktion des Nervensystems. Diese Vorgänge und Veränderungen wurden bei an Long COVID erkrankten Personen in unterschiedlicher Ausprägung beobachtet, was den Autorinnen und Autoren zufolge zu den verschiedenen Erscheinungsbildern des Krankheitsbildes führt. Je nach Person können bei Long COVID daher unterschiedliche Beschwerden im Vordergrund stehen, zum Beispiel eine extreme Erschöpfung nach körperlicher Aktivität, Probleme mit dem Gedächtnis oder mit dem Herz-Kreislauf-System.

Die Autorinnen und Autoren betonen, dass Long COVID weltweit eine große gesundheitliche und wirtschaftliche Herausforderung bleibe. Sie heben hervor, dass die Forschung für eine sichere Diagnose eindeutige biologische Merkmale im Blut oder Gewebe ermitteln müsse. Diese Erkenntnisse seien außerdem wichtig, um künftig passgenaue Behandlungen für Personen mit unterschiedlichen Ausprägungen von Long COVID entwickeln zu können. Bis dahin sollten betroffene Menschen eine hochwertige Behandlung erhalten, die hilft, die Beschwerden zu lindern und die Lebensqualität zu verbessern. Die Therapie sollte dem aktuellen wissenschaftlichen Stand (Evidenz) entsprechen. Eine enge Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen medizinischen Fachbereichen sowie auf internationaler Ebene sei für die Versorgung der Betroffenen von zentraler Bedeutung.
 

Information
Artikel im Communications Medicine

Communications Medicine

Communications Medicine ist eine frei zugängliche Fachzeitschrift der Nature-Verlagsgruppe. In der Zeitschrift werden begutachtete Beiträge zu Themen der öffentlichen Gesundheit und der klinischen Forschung veröffentlicht. Ein weiterer Schwerpunkt ist die translationale Medizin: Dabei geht es darum, neue Erkenntnisse aus der Forschung gezielt in die konkrete Behandlung von Patientinnen und Patienten zu übertragen