Aug. 2026 | BMC Infectious Diseases | DEFEAT Corona Projekt

Langzeitverlauf der Symptomausprägung bei Long-COVID-Betroffenen und gesundheitsbezogene Lebensqualität

Long-COVID-Beschwerden verändern sich im Laufe eines Jahres nur wenig – das zeigt eine deutsche Studie, die den Verlauf von Symptomen und gesundheitsbezogener Lebensqualität bei Betroffenen über einen längeren Zeitraum verfolgt hat. Die Forschenden der Medizinischen Hochschule Hannover, der Universitätsmedizin Göttingen und der Ostfalia Hochschule werteten dafür Daten aus dem Forschungsprojekt „DEFEAT Corona" aus. Insgesamt füllten 262 erwachsene Long-COVID-Betroffene zu drei Zeitpunkten Online-Fragebögen aus: einmal zu Studienbeginn und zweimal bei Nachbefragungen bis zu 60 Wochen später. Dabei gaben die Teilnehmenden die Stärke von 27 verschiedenen Beschwerden an und beantworteten Fragen zu ihrer gesundheitsbezogenen Lebensqualität.

Die häufigsten Beschwerden zu Studienbeginn waren Fatigue (bei etwa 67 Prozent der Teilnehmenden), Palpitationen (bei rund 61 Prozent) und Konzentrationsstörungen (bei 61 Prozent). Eine Fatigue ist eine anhaltende, starke körperliche und geistige Erschöpfung, die sich auch durch ausreichend Schlaf oder Erholung nicht bessert. Palpitationen sind spürbare, als unangenehm empfundene Herzschläge, beispielsweise Herzrasen, Herzstolpern oder ein besonders kräftiges Klopfen des Herzens. Im Studienverlauf ging die Häufigkeit nur bei 3 von 27 untersuchten Beschwerden zurück, während ein Tinnitus im Verlauf sogar häufiger auftrat. Mit dem Begriff „Tinnitus“ sind allgemein Ohrgeräusche, zum Beispiel ein Piepen oder Brummen im Ohr, ohne äußere Ursache gemeint. Bei 15 von 27 Beschwerden nahm die Stärke etwas ab, um 0,6 bis 2 Punkte auf einer Skala von 0 (keine Beschwerden) bis 10 (stärkste vorstellbare Beschwerden). Die gesundheitsbezogene Lebensqualität der Teilnehmenden verschlechterte sich im Zeitverlauf statistisch nachweisbar. Diese Veränderung fiel jedoch geringer aus als der Wert, ab dem Fachleute von einer für Betroffene spürbaren Verschlechterung sprechen.

Die Forschenden schließen daraus, dass Long-COVID-Beschwerden auch mehr als ein Jahr nach der Infektion für viele Betroffene in ausgeprägter Form bestehen bleiben und weiterhin belastend sein können. Sie betonen den dringenden Bedarf an umfassenden Therapieangeboten und empfehlen insbesondere niedrigschwellige, wohnortnahe und digitale Reha-Angebote als Ergänzung zu spezialisierten Behandlungsprogrammen.

Die Behandlungen in einer Reha sollten an die persönliche Belastbarkeit angepasst sein, um einer möglichen Verschlechterung der Beschwerden bei Vorliegen einer Belastungsintoleranz (Post-Exertionelle Malaise, PEM) vorzubeugen.

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Artikel in BMC Infectious Diseases

BMC Infectious Diseases

BMC Infectious Diseases ist eine frei zugängliche Fachzeitschrift, in der begutachtete wissenschaftliche Artikel zu Infektionskrankheiten veröffentlicht werden.


DEFEAT Corona Projekt

DEFEAT Corona ist ein Forschungsprojekt der Medizinischen Hochschule Hannover, der Universitätsmedizin Göttingen und der Ostfalia Hochschule. Es untersucht die langfristigen gesundheitlichen Folgen einer SARS-CoV-2-Infektion, insbesondere im Raum Niedersachsen.